Hart am Wind
Meine erste Kieler-Woche Teilnahme liegt hinter mir. Gut, Woche ist wohl übertrieben, ich bin 2 Tage als Ersatz eingesprungen. Der Samstag ist leider etas unglücklich für uns gelaufen. Wegen einem Problem mit dem Großfall konnten wir erst spät aus dem Hafen raus. Tja, und dann haben wir diese verflixte Bahn einfach nicht gefunden. Auf unserer Irrfahrt haben wir noch einen anderen 505er aufgegabelt, der sich auch verloren durch die Wellen kämpfte. Es hätte ja auch jemand sagen können, dass dier Bahn fast nach Eckernförder verlegt worden war. Den verpassten Lauf nahmen wir als Training. Es ballerte ganz schön, der Spi riß mir in den Händen, wir schossen senkrecht auf den Wellen nach oben, um um nächsten Moment platt auf das 2 m unter uns wabernde Wasser zurück zu knallen. Herrlich! Meine erste Bekanntmachung mit Welle! Der Sturm nahm noch zu, wir waren kampfbereit für den zweiten Lauf. Leider wurde dieser wegen 7er Windstärke abgesagt. Nach einer Kenterung mußte wir uns ohne Trapez zurück kämpfen, da sich dieses beim Kentern vom Mast gelöst hatte. Im Hafen habe ich dann beim Versuch, das Schiff vor einem Zusammenstoß mit einem Poller zu bewahren, unter lautem Geknall und erschrockenen Blicken nebenher segelnder Segler, mal eben ein an dem Poller befestigtes Schild abgerissen. Immerhin, dem Boot ist nix passiert!
Sonntag gings früh raus zur Bahn; Kommentar meines Steuermanns: So früh war ich noch nie am Start.
Leider liefen die beiden Läufe nicht so gut, und nach einem fast Zusammenstoss mit einem anderen Boot mit anschließender Kenterung ist mal eben das halbe Feld an uns vorbei gezogen. Schade. Trotzdem, für mich wars ne tolle Erfahrung, Welle und Windstärken 6-7 machen mir nix aus. Ich bin vorbereitet für Warne- und Travemünde!
Auf dem Weg von Hamburg nach Berlin sitz ich erschöpft im Zug, als der Schaffner kommt. Ich telefoniere gerade, wühle sämtliche Taschen durch und sage in Telefon: "Oh nein, ich glaube, ich habe meine Fahrkarte aus der Hosentasche verloren." Ich befürchte schon eine hämische Antwort des Schaffners, doch dieser grinst, hält mir ein Stück Papier vor und sagt: genau deshalb bin ich hier!
Es gibt doch noch nettes über die Bahn zu sagen!
Mit dem Verlieren scheints grad so eine Phase bei mir zu sein. Nach der Fahrt im Taxi zum Flughafen, ich bin schon fast durch den Eingang, höre ich ein Rufen hinter mir. Beim Umdrehen sehe ich den Taxifahrer mit etwas in der Hand wedeln: die Quittung!
Es wird Zeit, dass ich endlich mal wieder nach Hause komme und abschalten kann. Man könnte mich auch als Urlaubsreif bezeichnen.
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